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Der Käfer

 

Haben Sie in letzter Zeit Ausschau nach einem wirklich guten Käfer gehalten? Wenn ja, stellten Sie vermutlich fest, daß perfekte Exemplare äußerst rar geworden sind. Zudem führt eine genauere Prüfung der nicht gerade billigen Top-Angebote meist zu dem Ergebnis, daß es sich - entgegen der Behauptung des Verkäufers während eines zuvor geführten Telefongespräches - doch nur um Flickwerk handelt. Dicke Lack-, Spachtel- und Unterbodenschutzschichten sollen über diesen traurigen Sachverhalt hinwegtäuschen.

Die Zeiten, zu denen man an Wochenenden in beinahe jeder Tageszeitung unter der Rubrik "Gebrauchtwagen VW" gleich mehrere, weitgehend unverrostete Käfer mit zwei Jahren TÜV zum Einheitspreis von EURO 1000,- fand, sind endgültig vorbei.

VW - da weiß man, was man hat, behauptete die Werbung zu Käfers Glanzzeiten. Wenn Sie heute ernsthaft daran interessiert sind, zu wissen, was Sie haben, sollten Sie Ihren persönlichen Wagen selbst aufbauen. Hoffmann-Speedster leistet Ihnen bei dieser in Fachkreisen scherzhaft "Wiederbelebung am Skelett" genannten Arbeit mit einem umfangreichen Reparaturteile-Programm wertvolle Hilfe. Schon nach wenigen Arbeitsstunden werden Sie feststellen, daß damit alles "halb so wild" ist.

1. Die rechtliche Situation
Die Bodengruppe eines Käfers ist sein Fahrgestell. In selbigem befinden sich logischerweise auch die Fahrgestellnummer. So kommt es, daß die Papiere eines Käfers, die ja bekanntlich auf eine bestimmte Fahrgestellnummer ausgestellt sind, zur Bodengruppe und keineswegs zum restlichen Käfer gehören. Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen:

Schrauben Sie ein anderes Fahrgestell unter Ihren Käfer, so ist er juristisch gesehen nicht mehr Ihr Käfer. Ab sofort sind die Papiere des "neuen" Fahrgestells für Ihren Wagen zuständig, mit allen Vor- und Nachteilen, die sich daraus ergeben können . Eine Ausnahme kann nur bei der Verwendung eines fabrikneuen Fahrgestells gemacht werden und das steht ja, wie bereits erwähnt, hier nicht zur Debatte. Einige Zulassungsstellen sind auch bereit, sich auf einen "Kuhhandel" einzulassen. Bringt man die Bestätigung eines Karosseriefachbetriebes bei, aus dem hervorgeht, daß die Bodengruppe aus Rostgründen durch ein Gebrauchtteil ersetzt und das Altteil zuverlässig verschrottet wurde, wird die Originalfahrgestellnummer der Gebraucht-Bodenplatte lesbar durchgekreuzt und die Nummer des alten Fahrgestelles darunter eingeschlagen. Das alte Fahrgestell ist damit für immer unbrauchbar. Es kann also nicht wiederaufbereitet werden.

2. Eintragung
Vielleicht sind in Ihrem Fahrzeugbrief bereits einige technische Änderungen festgehalten, um deren Eintragung Sie lange kämpfen mussten oder wofür Sie eine Menge bezahlt haben. Gerade in älteren Fahrzeugbriefen finden sich oft Eintragungen, wie sie heute unter keinen Umständen mehr vorgenommen würden. Auch in diesem Fall sollten Sie Wert darauf legen, unter allen Umständen Ihr ureigenes Fahrgestell zu behalten.

3. Unter "neuer Flagge"
Genauso gut ist es auch denkbar, das Fahrgestell eines Altwagens mit interessanten Eintragungen zu erwerben, um es zu restaurieren und für den eigenen Wagen zu verwenden. Manchmal findet sich solch eine Rarität in den Kleinanzeigen der einschlägigen Fachpresse.

Wie den entsprechenden Hinweisen aus dem Hoffmann-Speedster-Katalog entnommen (Hinweise zum Thema 1.10.1971), ist es nicht immer erstrebenswert, ein Fahrzeug neueren Baujahrs zu besitzen. Die Gesetzgebung bietet durch die legale Möglichkeit des Rahmentausches auch eine legale Möglichkeit der freien Wahl des Baujahres. Legen Sie z.B. gesteigerten Wert auf rote Blinker, bestellen Sie sich ein Fahrgestell, dessen Erstzulassung vor dem 1.1.1970 stattfand; wollen Sie sich künftig die jährliche ASU ersparen, wählen Sie ein Fahrzeug, das vor dem 1.7.1969 zugelassen wurde, usw.

Besonders interessante Perspektiven ergeben sich daraus unter anderem für 1303-Fahrer, die zwar nicht auf die Panorama-Windschutzscheibe, liebend gern aber auf das modellbedingte späte Erstzulassungsdatum verzichten wollen. Mit der Bodengruppe eines frühen 1302 steht Ihnen die Möglichkeit offen, einem vor dem 1.10.71 zugelassenen 1303 zu bauen, obwohl der 1303 erst im August 1972 auf den Markt kam.

4. Ein Fahrwerk nach Ihren persönlichen Vorstellungen
Darüber hinaus können Sie auch das Fahrverhalten Ihres Käfers durch die Wahl eines bestimmten Fahrgestells entscheidend beeinflussen. Freunde extremer Tuning-Maßnahmen greifen am liebsten auf das so genannte Automatic-Fahrgestell zurück. Automatic-Fahrgestelle verfügen über eine so genannte Schräglenker-Hinterachse, wie man sie von 1302/03-Modellen kennt, in Verbindung mit einem "kurzen Vorderwagen". Das bedeutet, die Vorderachse ist drehstabgefedert, verfügt also nicht über Federbeine wie 1302 und 1303. Daraus folgt wiederum, daß sie unter ausnahmslos alle Aufbauten passt, die nicht den 02/03-Baureihen entstammen.
Hört sich kompliziert an, ist aber ganz einfach. Mit einer Automatic-Bodenplatte optimieren Sie die Straßenlage aller Käfer mit kurzem Vorderwagen, vom 48er Brezel bis zum 86er Mexikaner.
Irgendwo muss natürlich auch ein kleiner (oder müssen gar zwei kleine) Haken an der Sache sein. Automatic-Käfer - und nur sie hatten das begehrte Fahrgestell - wurden von Ende 67 bis 77 in verhältnismäßig kleinen Stückzahlen gebaut. Dazu kommt das Manko, daß in den von 67-70 produzierten Böden eine Führung für das Kupplungsseil fehlt und diese vom Baujahr her besonders interessanten Bodengruppen entsprechend nachgerüstet werden müssen.

Bei Versorgungsengpässen ist es auch möglich, Fahrgestelle aus Mexiko-Käfern auf Schräglenker umzubauen oder 1302/1303-Böden mit den Rahmenköpfen der kurzen Vorderwagen zu versehen. So entsteht ein neues "Automatic-Fahrgestell".

Vorteil: Die Kupplungsseilführung muss nicht nachträglich eingesetzt werden. Daß die Erstzulassungsdaten bei diesen Fahrgestellen nach dem 1.10.71 liegen, ist nicht weiter schlimm, wenn Sie einen leistungsstarken Motor (wie z.B. Typ-4 oder GTI) einbauen wollen, für den ein Käfer-Abgasgutachten besteht. "Automatic- Fahrgestell" ist jedoch keineswegs ein Zauberwort!

5. Sie bekommen genau das, was Sie wirklich brauchen.
Auch wenn es sich eben so anhörte, das Automatic-Fahrgestell ist nicht das allein seligmachende. Leute, die aus optischen Gründen auf einen extremen Sturz der Hinterräder "abfahren", bevorzugen die gute alte Pendelachse. Genau so sehen das auch manche Freunde des Beschleunigungssports. Ihnen scheinen die massiven Antriebswellen der Pendelachse erheblich vertrauenerweckender. Und wer einen 02 oder 03 besitzt, kann mit einem klassischen Automatic-Fahrgestell rein gar nichts anfangen.

 

 

 

Veränderungen des Käfers 1967 bis heute


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ab August 1967
- Bremsbackenbreite hinten 40 mm (vorher 30 mm)
- Radbremszylinder hinten 17.46 mm
- Zweikreisbremssystem
- neue Stoßstange (Kastenstoßstange)

- Front- und Motorhaube verkürzt 
- Abschlussblech geändert
- Kotflügel vorne mit senkrecht stehenden Scheinwerfern, keine Ziergitteröffnungen für Signalhorn bei Exportmodellen
- Lufteintritt durch Schlitze in Fronthaube
- Tankeinfüllstutzen auf rechte Wagenseite verlegt, von außen zugänglich
- Schluss- und Bremsleuchten vergrößert
- 1300 und 1500 mit 12 Volt Anlage (bisher 6 V  ) 
- Einführung der Sicherheitslenkung
- Türgriff mit eingebetteter Klinke
- Heckscheibenmaß: 879 x 446
- 1500 mit Automatik bekommt Schräglenkerhinterachse
- Neuauflage des 1200 als Sparkäfer (10.01.67)
- Räder mit 4-Bolzen-Befestigung für alle Modelle (ab Januar 1968)
- Stahlkurbeldach auf Wunsch

ab August 1968
- 1200 jetzt mit einem Ziergitter in jedem vorderen Kotflügel (vorher nur links)
- Heizrohre im Querschnitt vergrößert
- Klappe für Tankeinfüllstutzen verriegelbar
- Warmluftdüsen im vorderen Sitzbereich zurückverlegt
- 1300 / 40 PS wird jetzt auf Wunsch mit Automatik und Scheibenbremse ausgestattet
- Warnblinkanlage für alle Modelle

ab August 1969
- Motorhaube mit 10 Luftschlitzen und Wasserablaufblech (beim Cabrio = 28)

- Fahrgestellnummer jetzt 10-stellig  
- Zweikreis-Bremsanlage (1200)

ab August 1970
1200 / 34 PS ; 1300 / 44 PS
- Kugelgelenkvorderachse, Pendelhinterachse (Automatik = Schräglenker)
- Zweikreis-Bremssystem; vorne und hinten Trommeln (vorne vergrößert)

1302 , 1,2 l / 34 PS, 1,3 l / 44 PS
- abgerundete Frontschürze

- Federbeinvorderachse  
- Schräglenkerhinterachse
- Zweikreis-Bremssystem; vorne und hinten Trommelbremse (vorne vergrößert), wahlweise vorne auch Scheibenbremse

1302S und LS Cabrio, 1,6 l / 50 PS
- Zweikreis-Bremssystem, vorne Scheibe, hinten Trommel
- Federbeinvorderachse
- Schräglenkerhinterachse

alle Modelle
- stärker gewölbte Motorhaube

- Warmluftaustritt im Vorderwagen geändert  
- Zwangsbelüftung am hinteren Seitenfenster

ab August 1971
- Heckscheibe nach oben 40 mm vergrößert
- Motorhaubenschloss jetzt mit einer Schraube (vorher drei)

- Motorhaube mit 26 Luftschlitzen (nicht beim 1200 Sparkäfer)  
- Schaumstoffdichtung zwischen Rahmen u. Aufbau (vorher Profilgummidichtung)
- Sicherheitslenkrad mit großer Prallplatte (nicht bei 1200 Sparkäfer)
- Einführung des Diagnosesteckers im Motorraum
- Stauraum hinten mit Abdeckung (außer 1200 Sparkäfer)
- im Juli 1972 Produktionseinstellung des 1302

ab August 1972
1303 / 1303S

- Nachfolgemodell des 1302

- neues Armaturenbrett
- Panorama-Frontscheibe

- Federbeinvorderachse   
- Schräglenkerhinterachse
- vordere Haube ohne Marken-Zeichen
- Kotflügel hinten mit großen Rückleuchten (Elefantenfuß)

ab August 1973
1200, 1,2 l / 34 PS
- große Rückleuchten (Elefantenfuß)

- schwarz lackierte Kasten-Stoßstange   
- Dreibeinsitz

1200L
- wahlweise mit 34 oder 44 PS Motor
- mit verchromten Stoßstangen
- Dreibeinsitz

1303
- wahlweise mit 44 oder 50 PS
- ab 1300 ccm Drehstromlichtmaschine

Sondermodelle
- "Jeans Käfer" (1200, 1,2 l / 34 PS)
- "gelb-schwarzer Renner" (1303, 1,6 l / 50 PS)
- "City Käfer" (1303, 1,3 l / 44 PS)
- "Big Käfer" (1303S, 1,6 l, 50 PS)

ab August 1974
1303
- Zahnstangenlenkung

alle Modelle

- gewölbtes Abschlussblech   
- Stoßstange mit Aufnahme für Blinkleuchten

ab März 1975
- Cabrio bekommt größere Heckscheibe

ab August 1975
1200 mit 1,2 l / 34 PS
- jetzt mit 12 Volt (vorher 6 Volt)
- Trockenluftfilter mit Papiereinsatz

1200 mit 1,6 l / 50 PS
- Trockenluftfilter mit Papiereinsatz

1200L mit 1,6 l / 50 PS
- Trockenluftfilter mit Papiereinsatz
- verchromte Stoßstange mit Gummileisten
- Frischluftgebläse und Zwangsbelüftung im hinteren Seitenteil
- Scheibenbremse vorne
- Motorhaube mit Belüftungsschlitzen

1303 Cabriolet mit 1,6 l / 50 PS
- 1303 Limousine - Produktion eingestellt (7.75)

ab August 1976
- das Programm bleibt unverändert

ab August 1977
- das Programm bleibt unverändert bis Januar 1978
- im Januar 1978 wird die Produktion in Deutschland eingestellt
- aus Mexiko kommt der 1200 LS

- 50 PS-Motor nicht mehr lieferbar  

- das Frischluftgebläse entfällt
- Drehstromlichtmaschine wird durch Gleichstromlichtmaschine ersetzt
- kleine Heckscheibe (wie .65 bis .71)
- Abschlussblech wieder flach (wie bis 8.74)
- Entlüftungsschlitze in der Motorhaube bis 7.81

ab August 1978
- das Programm bleibt unverändert

ab August 1979

- das Programm bleibt unverändert    
- im Januar 1980 wird die Produktion des Käfer-Cabriolet eingestellt

ab August 1980
- keine Änderungen im Programm

ab August 1981
- ab August 1981 entfallen in der Motorhaube die Lüftungsschlitze
- Windschutzscheibe aus Verbundglas

ab August 1982
- elektrische Waschwasserpumpe
- Sondermodell "Jeans Bug"
- Sondermodell "Spezial Bug"

ab August 1983
- das Programm bleibt unverändert

ab August 1984
- das Programm bleibt unverändert

1985 / 1986
Sondermodell
- "Jubiläums Käfer", (50 Jahre Käfer), zinngraumetallic,
1200, 1,2 l / 34 PS wieder mit größerer Heckscheibe und getönter Verglasung

Am 17. Oktober 1985 wird der Käfer offiziell in Wolfsburg verabschiedet,
danach werden nur noch Fahrzeuge von privaten Importeuren von Mexiko nach Deutschland importiert.

ab Oktober 1987
- werden die verchromten Radkappen durch schwarze Kunststoff-Nabenkappen ersetzt

ab Oktober 1992
- neuer Motor mit Einspritzung und geregeltem Katalysator

ab Oktober 1993
- die bisherigen Kastenstoßstangen erhalten eine breitere Sicke

ab Oktober 1995
- Zwangsbelüftung am hinteren Seitenfenster ("Halbmond") entfällt
- Alle Zierleisten jetzt in schwarz

ab Juli 2003
- Einstellung der Käfer-Produktion in Mexiko